Wie die Ruhr-Universität Bochum mitteilt, wurde Desnitski in Moskau geboren und verbrachte dort den größten Teil seines Lebens. Er arbeitete am Institut für Orientalistik der Russischen Akademie der Wissenschaften (IV RAN) in der Abteilung für den Alten Orient sowie als Berater des Instituts für Bibelübersetzung, das sich mit der Übertragung der Heiligen Schrift in die Sprachen der ehemaligen Sowjetunion befasst.
Akademischer Werdegang
1997 verteidigte Desnitski am IV RAN seine Dissertation über die Übersetzungstechnik der Septuaginta im Kontext der hellenistischen Poetik, in der er die Lieder und Segenssprüche im Pentateuch analysierte. Weitere Forschungen widmeten sich der Struktur biblischer Texte; 2010 folgte die Habilitation mit einer Arbeit über Wesen und Funktion des biblischen Parallelismus. 2015 wurde er für seinen bedeutenden wissenschaftlichen Beitrag zum Professor der Russischen Akademie der Wissenschaften ernannt. Die Universität merkt an, dass Desnitski kürzlich seine eigene Übersetzung des Neuen Testaments ins Russische veröffentlicht hat.
Ausreise aus Russland und Arbeit in Deutschland
Aufgrund seiner kritischen Haltung zum Krieg in der Ukraine verließ Andrej Desnitski im Herbst 2022 Russland. Seitdem lebt er mit seiner Frau in verschiedenen Ländern, darunter Litauen, Montenegro und Deutschland. In der ersten Hälfte des Jahres 2024 arbeitete er als Gastforscher an der Universität Münster, danach nahm er die Einladung des CERES an.
Projekt über Metaphern
Am CERES befasst sich Desnitski vor allem mit der Vorbereitung eines DFG-Förderantrags. In seiner Forschung untersucht er, wie soziale Metaphern des Neuen Testaments vor dem Hintergrund unterschiedlicher kultureller und religiöser Kontexte in Übersetzungen wiedergegeben werden. Für die Analyse zieht er russische, krimtatarische und aserbaidschanische Bibelübersetzungen heran, die er eingehend studiert hat. Da vergleichbare Untersuchungen in der Fachliteratur bislang nahezu fehlen, bewertet die Universität sein Projekt als wichtigen Beitrag sowohl zur Philologie als auch zur Religionswissenschaft.
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