Der Solowezki-Stein steht in Petersburg als Gedenkzeichen für die Opfer politischer Repression. Der Stein wurde von den Solowezki-Inseln gebracht, wo in den 1920er Jahren eines der ersten sowjetischen Lager bestand. Der Ort ist längst zu einem Anziehungspunkt für jene geworden, die der in den Kerkern Umgekommenen gedenken wollen, und nach dem Tod Alexei Nawalnys in einer Strafkolonie Mitte Februar 2024 begann man, Blumen und Kerzen zum Stein zu bringen. Der Gedenkgottesdienst, den der Erzbischof vorbereitete, sollte eine dieser Andachten sein.
Laut RISU konnten die Versammelten noch in Anwesenheit der Polizei beten, danach wurde der Platz nach wenigen Minuten geräumt und ein Teil der Teilnehmer festgenommen. Michnow-Waitenko selbst wurde bis zum Gerichtstermin in der Polizeiabteilung 43 festgehalten. Ihm wurde Artikel 20.2.2 des Gesetzes über Ordnungswidrigkeiten zur Last gelegt, der die Organisation des massenhaften gleichzeitigen Aufenthalts von Bürgern betrifft. Diese Norm wird üblicherweise auf öffentliche Aktionen und Versammlungen angewandt, wenn die Organisatoren die gesetzlichen Anforderungen für die Durchführung von Massenveranstaltungen nicht erfüllt haben. Das Protokoll bezog sich gerade auf die Organisation der Versammlung, nicht auf den Inhalt des Gebets.
Später, so meldete RISU, wurde der Erzbischof auf Bitte seines Anwalts mit einem Schlaganfall ins Krankenhaus eingeliefert. Angaben über seinen Gesundheitszustand nach der Einlieferung enthielt diese Meldung nicht, und ein Gerichtsurteil in dem Verwaltungsverfahren war zum Zeitpunkt der Veröffentlichung nicht bekannt.
Die Biografie des Bischofs nach Darstellung von RISU
Für die ukrainischen Leser rief RISU die Biografie des Geistlichen in Erinnerung. Der Dienst, der das religiöse Leben der Ukraine und damit zusammenhängende Ereignisse außerhalb ihrer Grenzen beleuchtet, baute sie um einige Wendepunkte herum auf. Der erste davon war Michnow-Waitenkos Austritt aus der Russisch-Orthodoxen Kirche. Nach Darstellung von RISU war der Grund die Entscheidung des Priesters, die Teilnehmer des Krieges in der Ukraine vom Abendmahl auszuschließen. Für jene, die das kirchliche Leben im postsowjetischen Raum verfolgen, war ein solcher Schritt selten: Die Mehrheit der Geistlichkeit bemühte sich 2014 und in den folgenden Jahren, politische Bewertungen nicht über den Gottesdienst hinaus zu tragen.
2015 wechselte Michnow-Waitenko zur Apostolischen Orthodoxen Kirche. Diese kleine Struktur wird von der Mehrheit der orthodoxen Kirchen nicht als kanonisch anerkannt, und ihre Hierarchie besteht außerhalb des allgemein anerkannten Sukzessionssystems. Im Juli desselben Jahres 2015 wurde der Priester zum Bischof von Warägien und Baltikum geweiht. Der Name der Diözese verweist auf die warägische, also skandinavische Tradition in der Geschichte der Rus und auf die baltische Region, in der die neue Gemeinde tätig war.
Festnahme vor dem Hintergrund von Nawalnys Tod
Der Gedenkgottesdienst für Nawalny in Petersburg im Februar 2024 geriet nicht nur wegen der Festnahme selbst in den Blickpunkt. Für viele Menschen, die zu den Denkmälern für die Opfer der Repressionen kamen, wurde das Gedenken zu einer Form öffentlicher Trauer, und die Polizei griff in jenen Tagen in mehreren Städten in solche Versammlungen ein. Die Meldung von RISU hält genau diesen Konflikt fest: Ein Priester versuchte, an einem Ort, der traditionell mit dem Gedenken an die Repressionen verbunden ist, eine Zeremonie abzuhalten, und wurde aufgrund eines Verwaltungsartikels gestoppt.
Auch die unterschiedlichen Datumsangaben verdienen Beachtung. RISU nannte den 16. Februar, während andere Quellen den 17. nennen, und gerade diese Version liegt dem vorliegenden Material zugrunde. Die Tatsache der Festnahme selbst wird dabei von keiner Quelle bestritten. Daten werden in solchen Fällen üblicherweise anhand von Protokollen und öffentlichen Polizeimeldungen präzisiert, doch eine solche Referenz fehlt in der Meldung von RISU.
Das letzte von RISU gemeldete Ereignis bleibt die Einlieferung des Erzbischofs mit einem Schlaganfall ins Krankenhaus. Gerade sie, nicht das Gericht, bildete den Schlusspunkt in jenem Teil der Geschichte, der in die Veröffentlichung des Dienstes Eingang fand.
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