Religion

Gedenkgottesdienst am Solowezki-Stein in Petersburg endet mit Festnahmen

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Der Gedenkgottesdienst für Alexej Nawalny am Solowezki-Stein in Petersburg fand am 17. Februar 2024 trotzdem statt, obwohl der Priester, der ihn angekündigt hatte, noch zu Hause festgenommen wurde. Den Gottesdienst hielt ein anderer Priester der Apostolischen Orthodoxen Kirche, Vater Andrej. Es kamen mehrere Dutzend Menschen, und nach dem Gottesdienst begann die Polizei, Teilnehmer festzunehmen.

Der Gedenkgottesdienst war an der Woskressenskaja-Uferstraße angesetzt, wo ein von den Solowezki-Inseln herbeigeschaffter Stein steht. Er ist ein Denkmal für die Opfer politischer Repressionen, und deshalb war die Wahl des Ortes für das Gedenken an Nawalny symbolisch. Grigori Michnow-Wajtenko, Priester der Apostolischen Orthodoxen Kirche, der den Gottesdienst angekündigt hatte, konnte nicht kommen: Er war noch zu Hause festgenommen worden. An seine Stelle trat Vater Andrej von derselben Kirche. Die Apostolische Orthodoxe Kirche gehört nicht zur Russisch-Orthodoxen Kirche, und ihre Priester dienen gewöhnlich in kleinen Gemeinden, nicht in großen Moskauer oder Petersburger Kirchen.

Der Gedenkgottesdienst verlief ruhig, bis er zu Ende war. Die Polizisten gaben den Versammelten zwanzig Minuten. Nach dem Gottesdienst forderten Polizei und OMON über Lautsprecher zum Auseinandergehen auf und begannen, Teilnehmer gezielt festzunehmen. Das war keine Massenoperation, sondern punktuelle Festnahmen: Die Polizisten suchten einzelne Personen aus und führten sie zu den Mannschaftswagen.

Nach Angaben von OVD-Info, die „Aktivatika“ anführte, kamen mindestens zehn Personen in die Mannschaftswagen. Unter den Festgenommenen waren ältere Frauen und eine Journalistin des Petersburger Fernsehsenders „78“. OVD-Info beobachtet Festnahmen bei Protest- und Gedenkaktionen, daher werden seine Angaben gewöhnlich aus Berichten von Augenzeugen und den Festgenommenen selbst zusammengetragen. Andere Medien nannten indes mindestens sieben Festnahmen am Stein, das heißt, die Zahlen wichen im unteren Bereich der Schätzung voneinander ab.

Festnahmen am Denkmal und an der Uferstraße

Parallel nahm die Polizei Menschen am Denkmal für die Opfer politischer Repressionen an der Woskressenskaja-Uferstraße fest. Die Menschen kamen dorthin nicht nur zum Gedenkgottesdienst, sondern auch einfach, um Blumen niederzulegen und am Stein zu verweilen. Eine der Teilnehmerinnen des Gottesdienstes, eine Rentnerin, erklärte, warum sie gekommen war:

„Ich wollte den Behörden zeigen, dass das nicht als selbstverständlich hingenommen wird“

Gegen die Festgenommenen werden in der Regel Protokolle nach Artikel 20.2.2 des Verwaltungsgesetzbuches erstellt, der eine Strafe für die Verletzung der Ordnung bei der Durchführung öffentlicher Veranstaltungen vorsieht. Dieser Artikel wird häufig in Verfahren wegen nicht genehmigter Versammlungen, Einzelpickets und Märsche angewandt, und gerade nach ihm wurden in den letzten Jahren die meisten Festnahmen bei Gedenkaktionen in verschiedenen Städten des Landes protokolliert.

Gedenkaktionen fanden nach Nawalnys Tod in der Strafkolonie statt. Für viele seiner Anhänger war dies die erste Möglichkeit, sich öffentlich von ihm zu verabschieden, und deshalb versammelten sich in einer Reihe von Städten Menschen an Denkmälern, in Kirchen und auf Plätzen, obwohl solche Zusammenkünfte von den Behörden nicht im Voraus genehmigt worden waren. Die Polizei reagierte landesweit gleichermaßen hart, wenngleich das Ausmaß der Festnahmen in jeder Stadt unterschiedlich war.

Zwei Gedenktage

An zwei Tagen der Gedenkaktionen für Nawalny wurden landesweit 359 Menschen festgenommen. Davon wurden allein am 17. Februar 284 festgenommen, errechnete „Aktivatika“. Diese Zählung umfasst das ganze Land, nicht nur Petersburg, daher war der Petersburger Gedenkgottesdienst am Stein nur eine Episode im Gesamtbild der Festnahmen.

Am Tag nach dem Gedenkgottesdienst, dem 17. Februar, wurden genau diese 284 Festnahmen zur wichtigsten Zahl in den Übersichten über die Gedenkaktionen, die unabhängige Medien und Projekte mit eigener Zählung veröffentlichten.

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Kirill Jerschow

Autor

Politischer Kommentator