Worauf es bei Techstars wirklich ankommt
Laut Semjon Dukatsch basiert die Auswahl auf drei Kriterien. Erstens: ein starkes Team, dem mindestens ein CEO und ein CTO angehören. Zweitens: ein globaler Markt, für den das Produkt bestimmt ist. Drittens: das Selbstvertrauen der Gründer. „Wir suchen einfach großartige Leute, die große globale Unternehmen aufbauen können“, erklärte er. Die Zusammensetzung des Jahrgangs zeigt, wie hart die Auswahl ist: Von den zwölf Teams kamen sechs aus Boston, je zwei aus Kanada und der Ukraine sowie je eines aus Spanien und Portugal.
Dukatschs Rat an die Ukrainer ist praktisch. Vor dem Markteintritt in den USA sollte man Wachstum bei echten Kunden vorweisen, nicht in Präsentationen. Die ukrainische Spur im Programm beginnt für ihn mit CheckiO, das vor etwa drei Jahren den Accelerator durchlief. Dukatsch schätzt den Erfolg seiner Unternehmen zudem auf 70–80 % gegenüber 20–30 % bei anderen, doch das ist seine eigene Einschätzung, keine gemessene Erfolgsbilanz.
Eine Bewerbung, die als schwach galt
Wladimir Ussow, Gründer und CEO von Kwambio, sagte, er habe die Chancen auf eine Aufnahme als gering eingeschätzt und seine Bewerbung als schwach angesehen. Die Beharrlichkeit eines Teammitglieds brachte die Mannschaft bis zum finalen Gespräch in Boston. Als Hauptmarkt für den Dienst für 3D-Modelle nannte Ussow die USA, den öffentlichen Start plante er für Ende Juli 2015.
Hinter dieser Entscheidung stand eine lange Vorgeschichte. Ussow begann nicht mit 3D-Druck, sondern mit dem Verlagswesen. Sein in Odessa gegründeter Verlag Gutenbergz brachte „Die Abenteuer des Sherlock Holmes“ für das iPad heraus. Das Buch erschien am 2. Dezember 2012 im App Store, ein Jahr später als geplant, und der Start kostete rund 25.000 Dollar. Bis März 2013 verzeichnete die App laut AIN 23.000 Downloads, 70 % der Verkäufe entfielen auf die USA, und das Team bestand aus sieben Personen. Damals sah Ussow auf einer Ausstellung in New York erstmals einen 3D-Drucker, und genau diese Begegnung wurde zum Ausgangspunkt des neuen Projekts.
Kwambio wurde im Oktober 2014 zusammen mit dem Mitgründer und CTO Dmitri Kriwoschei gestartet. Das Projekt gewann den Wettbewerb IDCEE und erhielt 500.000 Dollar von einem nicht genannten Odessaer Unternehmen. Im April 2015 belegte das Team den vierten Platz im Ranking der Start-ups des Jahres 2014, das BVU und iForum erstellten. Damals verfügte das Start-up über einen Prototyp des UNIQUE One, und das Ziel bestand darin, den Drucker für weniger als 1000 Dollar anzubieten.
Der zweite ukrainische Resident und der weitere Weg
Der zweite ukrainische Teilnehmer des Sommerjahrgangs war GV Machines, dessen Gründer Jegor Antschischkin ebenfalls ein Interview für den AIN-Beitrag gab. Das Bostoner Programm von Techstars erhielt im Juni 2015 eine Finanzierung von 650.000 Dollar vom Accelerator selbst und von Angel-Investoren. Für Kwambio wurde die Teilnahme am Programm nicht nur zu einer Prüfung des Produkts, sondern auch der Idee, vom ukrainischen Markt aus in den USA zu arbeiten.
Auf die Frage, wie man sich auf die Auswahl vorbereiten sollte, antwortete Ussow unerwartet. Sein Rat an Kollegen klingt fast paradox:
„Man sollte nicht das Ziel verfolgen, in einen bekannten Accelerator zu kommen“
Man müsse seine eigene Aufgabe lösen, und der Accelerator sei seiner Meinung nach nur ein Werkzeug, das längst nicht jeder brauche. Im August 2015 startete Kwambio die Plattform vollständig und verlagerte die Hauptarbeit nach New York. Einige Monate später, am 28. Dezember 2015, nahm AIN das Unternehmen in die Top-10-Start-ups des Jahres auf und setzte es auf den siebten Platz.
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