Technologie

Kwambio aus Odessa wagt sich an den Druck menschlicher Knochen: das Projekt ADAM

Von · · 5 Min. Lesezeit

Am 25. April 2019 stellte Kwambio gemeinsam mit dem Fonds WeFund Ventures das Projekt ADAM vor, das den Druck organischer Knochenstrukturen ermöglichen soll. Das Startkapital steuerten Kwambio und WeFund bei, die Summen wurden nicht genannt. Partner wurden der Medizingerätehersteller Applied Medical und der Accelerator Techstars, die Projektleitung übernahm Kwambio-Geschäftsführer Volodymyr Usov.

Der Weg zu ADAM begann lange vor der Medizin. 2010 kaufte Volodymyr Usov sein erstes iPad und begeisterte sich für interaktive Bücher. 2011 wurde in Odessa der Verlag Gutenbergz gegründet, und am 2. Dezember 2012 erschienen „Die Abenteuer des Sherlock Holmes“ für das iPad im App Store – ein Jahr später als geplant. Damals dachte Usov noch nicht an Drucker, doch 2013 sah er auf einer Ausstellung in New York erstmals einen 3D-Drucker, und das Thema änderte sich.

Im Oktober 2014 startete Usov Kwambio zusammen mit Dmitry Krivoshey. 2015 wurde das Team in den Sommerbatch von Techstars Boston aufgenommen und erhielt 650.000 US-Dollar von Techstars und Angel-Investoren. Die Produktion blieb von Anfang an in Odessa, wo 2016 eine Fabrik für keramischen 3D-Druck mit einer Kapazität von bis zu 1000 Teilen pro Monat eröffnet wurde. Im Dezember 2017 erhielt das Unternehmen 500.000 US-Dollar von Empire State Capital Partners und Impulse VC, und im Januar 2018 zeigte es auf der CES in Las Vegas den Keramikdrucker Ceramo One für 25.000 US-Dollar.

Drei Richtungen und ein Ziel

Laut AIN.UA entwickelt sich ADAM in drei Richtungen gleichzeitig. Die erste betrifft den Druck biologischer Knochenstrukturen. Die zweite, die Plattform eines „virtuellen Körperatlas“, basiert auf 3D-Scans, Computertomographie und Magnetresonanztomographie. Die Idee ist, Knochen direkt im Krankenhaus zu drucken, ohne den Auftrag auszulagern. CT und MRT liefern ein genaues Bild des Defekts, auf dessen Grundlage ein Modell für den Druck erstellt wird.

Die dritte Richtung betrifft Materialien. Das Unternehmen entwickelt zwei eigene Biomaterialien: keramisches Bioglas und ein modifiziertes Biopolymer. Bioglas wird seit langem in der Medizin als Grundlage für den Knochenersatz verwendet und erscheint daher als der am besten verständliche Teil des Projekts. Separat wollte Kwambio Bioprinter für Labore und Universitäten herausbringen. Danach, so der Plan, ging es um Weichteile, Gefäße und Organe. Wichtig ist die Einschränkung: Der Druck von Geweben und Organen ist im Projekt als Zukunftsziel bezeichnet, nicht als etwas, das jetzt startet.

„ADAM ist die weltweit erste Möglichkeit, organische Knochen zu drucken“, hieß es in der Pressemitteilung des Unternehmens.

In der Pressemitteilung erinnerte Kwambio daran, dass in den USA 120.000 Menschen auf eine Organtransplantation warten, weltweit seien es mehr als eine Million. Das Unternehmen formulierte die Aufgabe einfach: „Unser Ziel ist es, Menschen zu helfen, ihr Leben zu retten.“ Die Zahlen zur Wartezeit stammen aus der Pressemitteilung selbst, eine unabhängige Überprüfung gibt es im Text nicht.

Fristen und Abweichungen

Die Materialien wurden laut AIN.UA in Schweden getestet, die präklinische Studie lief in der Ukraine. Ein Prototyp des Bioprinters sollte bis Ende 2019 erscheinen, eine neue Investitionsrunde war für Ende desselben Jahres geplant, der kommerzielle Start für August 2020 genannt. Andere Medien nannten jedoch abweichende Termine. schrieb in einem Artikel vom Juli 2019 von einem Start Ende 2020, und in der Vielzahl der Veröffentlichungen bleibt dieser Unterschied ungeklärt.

Usov übernahm ADAM als CEO, während sein Hauptunternehmen Kwambio blieb, wo er das Amt des Geschäftsführers innehatte. Das Projekt wurde nicht nur von Fonds unterstützt. Fabbaloo beschrieb ADAM im Mai 2019 als amerikanisches Projekt mit den Investoren Techstars, BioCT, Applied Medical und Stanley. Kwambio selbst arbeitete zu dieser Zeit bereits mit großen Auftraggebern zusammen: Laut waren GE und Stanley ihre Kunden, wobei der Auftrag von GE mehrere Drucker betraf und nicht einen großen Vertrag.

Im Juli 2019 erinnerte an die Ukraine als ein Land, in dem Start-ups über Crowdfunding und ausländische Acceleratoren auf den internationalen Markt gelangen, und hob Kwambio als Beispiel hervor. Damals befand sich ADAM in der Präklinik, und der kommerzielle Start wurde laut der Publikation Ende 2020 erwartet.

1Aufrufe

Henrik Falkenberg

Foto: Иллюстрация Maralles, создана с помощью ИИ