Technologie

„Jedes zentralisierte System endet in der Diktatur“: Mas antwortet auf Kritik

Von · · 4 Min. Lesezeit

Am 9. August 2021 veröffentlichte die Antworten von Oleksii Mas auf die Kritik in der Rubrik „Cringe der Woche“, die zwei Tage zuvor erschienen war. Das Gespräch ist nicht nur wegen der Pläne des Projekts interessant: Später wird die Publikation es wahrscheinlich als letztes Interview von Mas bezeichnen, der am 6. Oktober 2021 starb.

Das Projekt ist etwa zwei Jahre alt, und in dieser Zeit haben sich laut Mas drei „philosophische Grundlagen“ herausgebildet: „transparentes Internet“, Informationsflüsse und interne Investitionen in Information. Genau in dieser Reihenfolge wird es getestet, allerdings nicht chronologisch. Derzeit wird die dritte Grundlage geprüft, in einem Monat beginnt die Testphase der zweiten, und die erste, das „transparente Internet“, soll im Oktober zur Prüfung kommen.

Den Umfang der Arbeit beschreibt Mas konkret. Das Projekt umfasst etwa 60.000 Codezeilen, davon befinden sich etwa 10.000 im aktuellen Build. Es gibt etwa zehn aktive Prototypen, und der „gängigste“ von ihnen trägt die Nummer 77. Genau dieser bedient die dritte Grundlage. Insgesamt hat das Team in zwei Jahren die zweite Testphase erreicht, und das ist laut Mas ein Tempo, das er als marathongleich bezeichnet.

Investoren statt Werbung

Die Finanzierung ist auf Investoren ausgerichtet, nicht auf Werbegelder. Die erste Phase wird mit etwa vierhundert Investoren abgeschlossen, das nächste Ziel sind fünfhundert. Mas gibt zu, dass er selbst eigenes Geld in das Projekt investiert. Die Investitionssumme, die Nutzerzahl und das Startdatum werden in dem Gespräch nicht genannt, daher bleiben alle Zahlen außerhalb des Genannten Spekulation.

Die Zusammenarbeit mit Investoren läuft in einem Format, das laut Mas das Projekt von einem typischen Startup unterscheidet. Etwa ein Jahr lang finden einmal pro Woche Brainstormings statt, an denen fünfzig Personen aus dem Kreis der Investoren teilnehmen. Dieses Format ermöglicht es den Investoren, die Entwicklungsrichtung zu beeinflussen und nicht nur Berichte zu erhalten.

Warum das Projekt nicht hetzt

Auf die Kritik antwortend erklärt Mas das langsame Tempo mit einem Prinzip: „Wir wollen nicht skalieren, was nicht getestet ist.“ Für ein Projekt, das sich als Alternative zu großen Plattformen positioniert, ist das eine grundsätzliche Haltung. Der zentrale Satz von Mas klingt hart:

„Jedes zentralisierte System endet in der Diktatur wie Facebook. Das ist nur eine Frage der Zeit.“

Dieser Satz stützt sich auf die Biografie von Mas, die sowohl Erfahrung im Aufbau großer Dienste als auch deren Verlust umfasst. Er wurde 1974 in Kiew geboren und besuchte eine physikalisch-mathematische Schule, dann die Fakultät für Radiophysik, und arbeitete Ende der 1990er Jahre im Bank- und Finanzwesen. 1999 startete er zusammen mit seinem Kommilitonen Ruslan Dmitrakowitsch das Ukrainische Bannernetz, und 2000 gehörte er zu den Gründern von UAportal, bei dem Alexander Soroka als Investor auftrat.

Auch Erfahrung mit Zentralisierung hatte Mas. Der Fotohosting-Dienst Infostore, den er 2003 startete, wurde geschlossen, nachdem am 4. Dezember 2008 die Miliz seine Server beschlagnahmt hatte. 2009 wurde er Mitorganisator des iForum, und 2012 wurde Mail.ua, das er zusammen mit Alexander Olschanski erstellt hatte, für etwa 0,5 Millionen Dollar an Mail.ru verkauft. Ab 2015 arbeitete Mas bei „Kyivstar“ als Berater des Präsidenten für IT und Digital, danach leitete er das Innovation Lab. Am 31. Juli 2019 verließ er das Unternehmen und startete fast sofort die „Craft-Sozialnetzwerke“ mit einem Syndikat, in das man für 100 Dollar eintreten konnte.

Was danach geschah

Am 6. Oktober 2021 starb Oleksii Mas. Sein Bruder Viktor meldete dies am 8. Oktober. Das Projekt blieb ohne seinen Gründer, und sein Schicksal wurde Gegenstand von Debatten. Ende November 2021 übernahm Bohdan Hnatiuk, Eigentümer von Maralles, die Leitung des Syndikats, und am 30. November wurde das Projekt in Craf umbenannt. Später wurde es zu Chakloon. Ein Jahr später, am 6. Oktober 2022, veröffentlichte dieses Interview zum Jahrestag von Mas’ Tod erneut.

1Aufrufe

Arthur Ellington

Autor

Politischer Korrespondent

Foto: Maralles