Zwanzig Euro und eine Auktion
Die Kolumne stützt sich auf ein einziges Beispiel. Eine Bekannte von Mas kaufte bei eBay, der größten internationalen Auktion mit privaten Verkäufern, ein Lot und verkaufte es stückweise über LiveJournal, also über die Blogplattform, die 2012 eine der wichtigsten russischsprachigen Plattformen blieb. Sie begann mit zwanzig Euro und einem Blog. Mit der Zeit verwandelte sich das Einzelgeschäft in ein ständiges Geschäft mit Accessoires, das ohne Büro, Lager, Marketingbudget und sogar ohne Website auskommt. Werbeausgaben sind in einem solchen Szenario kaum nötig, weil die Käufer selbst die Werbung machen.
Den beredtesten Beweis fand Mas in seiner eigenen Praxis. Er erzählte die Geschichte der Protagonistin in einem Startup-Training, und ein Drittel der Zuhörer erkannte sie persönlich, weil sie bereits bei ihr gekauft hatten. Für die Kolumne ist das wichtiger als jede Statistik: Das Publikum arbeitete bereits für das Geschäft, nur hatte niemand es für diese Rolle vorgesehen.
Der Konsument als Teil des Geschäfts
Aus dieser Episode leitet Mas die Hauptthese der Kolumne ab:
„Man begann, den Konsumenten zuzuhören, der Konsument wurde Teil des Geschäfts“
Die These entfaltet sich in drei praktischen Ideen. Erstens: „Bring die Nutzer dazu, für ihre Waren zu werben“. Das ist virales Marketing, bei dem der Käufer selbst zum Vertriebskanal wird. Zweitens: Der Blog funktioniert als kostenlose Zeitung des Geschäfts, in der Kunden die Neuigkeiten des Unternehmens lesen und die Waren diskutieren. Drittens: Das Büro kann verteilt sein, das heißt, Arbeit und Kommunikation sind nicht an einen einzigen Raum gebunden. Für ein kleines Geschäft, das ohne Geld und ohne gemietete Quadratmeter beginnt, wirkt dieser Ansatz natürlich.
Weiter schlägt Mas der Protagonistin drei Wachstumswege vor. Der erste, Website und Marke, bedeutet den Übergang vom Verkauf über fremde Plattformen zum eigenen Schaufenster und zu einem wiedererkennbaren Namen. Der zweite, klein und flexibel zu bleiben, bedeutet, das derzeitige Modell zu bewahren, in dem es weder Büro noch Lager gibt, und keine Kräfte für die Instandhaltung einer Infrastruktur aufzuwenden. Der dritte, der Gang ins Offline-Geschäft, bedeutet die Eröffnung eines Salons, also eines physischen Ortes, an dem man die Ware sehen und kaufen kann. Jedes Szenario hat seinen Preis, und die Kolumne wählt für die Protagonistin keines davon aus.
Mas selbst arbeitet seit langem mit Internetprojekten. Er wurde 1974 geboren und immatrikulierte sich 1991 an der Fakultät für Radiophysik der KGU ohne Prüfungen, aufgrund der Ergebnisse von Physikolympiaden. 1999 startete er zusammen mit Ruslan Dmitrakowitsch das Ukrainische Bannernetz: Das Projekt wurde in Perl geschrieben, man arbeitete drei Wochen daran, und die Kosten beliefen sich auf etwa 100 Dollar. Am 7. März 2000 wurde Mas Direktor des „Ukrainischen Portals“ (UAPortal). Die Erfahrung mit Publikum aus den ersten Jahren des ukrainischen Internets erklärt, warum das Thema Konsument in der Kolumne eine zentrale Stellung einnimmt.
Ein Maildienst und ein Forum
Im Jahr 2008 trat Mas als Architekt von Mail.ua auf. Der Dienst ging am 22. August 2008 in den geschlossenen Test, unterstützt von der Gruppe „Internet Invest“, und die Investitionen überstiegen 1 Mio. Dollar. Am 1. April 2009 fand das erste Ukrainische Forum der Internetakteure statt, das spätere iForum, anlässlich des zehnjährigen Bestehens des Ukrainischen Bannernetzes. Das Forum versammelte 1280 Teilnehmer, und Mas war an seiner Organisation beteiligt.
Im Juli und August 2012 ging Mail.ua an die Mail.ru Group über. Den Deal bestätigte die Vizepräsidentin der Gruppe, Anna Artamonowa. Inoffiziellen Angaben zufolge betrug die Summe etwa 500.000 Dollar, und der Dienst hatte rund 300.000 Nutzer.
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