Nach Angaben der Angehörigen war Bischof Oleh Vedmedenko an jenem Abend zu einem Spaziergang aufgebrochen und befand sich auf dem Heimweg, als er sein Ziel nicht mehr erreichte. Die Zeitung betitelte ihre Rekonstruktion mit dem Satz „Kam vom Spaziergang zurück“, der zur Überschrift des Beitrags wurde. Ein von „Konkurent“ gedrehtes Video ermöglichte es, die Abfolge der Ereignisse nachzuvollziehen.
Der Unfall ereignete sich auf dem Prospekt Vasyl Mojsej. Laut „Volyn Infa“ saß ein betrunkener Fahrer am Steuer des Mazda. Das Auto erfasste den Fußgänger, der mehrere Meter durch die Luft geschleudert wurde. Der Fahrer, so berichtete die Zeitung, flüchtete vom Unfallort, ohne Hilfe zu leisten. Passanten hoben den Verletzten auf und kümmerten sich um ihn; sie riefen auch den Rettungswagen. Der Bischof erlitt Trümmerbrüche des Beckens, ein Bein wurde abgerissen.
Der Hergang des Zusammenstoßes wird in den verschiedenen Berichten unterschiedlich geschildert. In einer Version geriet das Auto am Kreisverkehr ins Schleudern und wurde auf den Bordstein geschleudert, in einer anderen ist von einem Ausweichen auf den Gehweg die Rede. Der Text von „Volyn Infa“ berichtet ausdrücklich vom Ausweichen auf den Gehweg, daher wird diese Darstellung hier wiedergegeben.
Oleh Vedmedenko wurde am 18. September 1961 in Luzk geboren. Im Jahr 1997 gründete er an der Dreifaltigkeitskathedrale die Bibelschule der geistlichen Vervollkommnung und leitete sie viele Jahre lang selbst. Im Jahr 2006 wurde er nach einem Konflikt mit der Ukrainischen Orthodoxen Kirche des Kiewer Patriarchats zum Priester der Ukrainischen Autokephalen Orthodoxen Kirche geweiht. Autokephalie bedeutet eigenständige Kirchenleitung ohne Unterordnung unter eine andere lokale Kirche, und für die ukrainischen Gemeinden war dies eine grundsätzliche Entscheidung. Im Jahr 2012 wurde er Bischof, ab 2013 leitete er die Eparchie Wolhynien und Galizien, und von 2015 bis 2019 war er Ersthierarch der UNAPK. Er diente in der Luzker Kirche „Christi Auferstehung“.
Ein betrunkener Fahrer mit Vorstrafe
Der Fahrer hieß Roman Savytsch. Nach Angaben des Gerichts war er bereits wegen eines Angriffs in Luzk im Sommer 2020 verurteilt worden: Damals hatte er gegen kommunale Wachleute ein Gasspray eingesetzt. Das Urteil sah drei Jahre Freiheitsbeschränkung nach Artikel 350 Absatz 2 des Strafgesetzbuches der Ukraine vor. Am 19. Oktober 2021 bestätigte das Berufungsgericht Wolhynien dieses Urteil. Die Strafe wurde jedoch nicht vollstreckt, und zum Zeitpunkt des Unfalls befand sich Savytsch auf freiem Fuß.
Am Morgen des 15. November starb der Bischof im Luzker Stadtklinikum. Das Verfahren wurde nach Artikel 286-1 Absatz 3 des Strafgesetzbuches eröffnet, und die Festnahme von Savytsch wurde nach Artikel 208 der Strafprozessordnung formalisiert, also ohne vorherige Gerichtsentscheidung. Am Abend desselben Tages fand in der Kirche „Christi Auferstehung“ eine Litija statt.
Abschied und erste Gerichtsentscheidung
Die Totenmesse und das Begräbnis fanden am 16. November im Hof der Kirche statt, in der der Bischof gedient hatte. Der Abschied vollzog sich vor den Augen der Gemeindemitglieder und der Geistlichkeit, und die Söhne des Verstorbenen wurden zu den engsten Fortführern seines Wirkens. Vasyl Vedmedenko, ein Priester, übernahm die Gemeinde seines Vaters. Pavlo Vedmedenko dient ebenfalls in der Kirche.
Am selben Tag befasste sich das Stadtbezirksgericht Luzk mit der Frage der Untersuchungshaft. Die Richterin Alla Paljuschko, so berichteten die Medien, ordnete für Roman Savytsch eine 60-tägige Untersuchungshaft ohne Kaution an, also bis zum 12. Januar 2022. Die Interessen der Familie des Verstorbenen vertrat der Anwalt Roman Chomych. Savytschs erster Verteidiger war Orest Uryn.
„Kam vom Spaziergang zurück“
Dieser Satz, mit dem „Volyn Infa“ seine Rekonstruktion überschrieb, bleibt der einzige direkte Niederschlag des letzten Abends des Bischofs. Die Angehörigen, so berichtete die Zeitung, hätten erzählt, er sei auf dem Heimweg gewesen. Die Route des Spaziergangs und sein Endpunkt werden in der Veröffentlichung nicht näher bestimmt; ihre Rekonstruktion stützt sich daher auf die Aussagen der Familie und die am Ort gedrehten Aufnahmen.
Der Tod des Bischofs löste in der ukrainischen Kirchenöffentlichkeit und in Luzk, wo man ihn als Seelsorger und Schulleiter kannte, Anteilnahme aus. Der Fall der Kollision auf dem Prospekt Vasyl Mojsej kam am Tag nach dem Begräbnis vor Gericht: Am 16. November wurde Savytsch bis zum 12. Januar 2022 in Untersuchungshaft genommen.
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