Religion

Gleb Jakunin in schwerem Zustand ins Krankenhaus eingeliefert

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Am 18. November 2014 wurde der Priester und Menschenrechtler Gleb Jakunin auf die Intensivstation der Zentralen Klinik in Moskau gebracht. Zwei Wochen zuvor war er aus den USA zurückgekehrt, hatte zeitweise das Bewusstsein verloren, doch am 9. November noch die Liturgie gemeinsam mit Priestern der Apostolischen Kirche gefeiert. Wie NEWSru unter Berufung auf meldete, befand sich Jakunin zum Zeitpunkt der Einlieferung im Koma.

Wer ist Gleb Jakunin

Gleb Jakunin wurde 1934 in Moskau in der Familie eines Musikers geboren. Er absolvierte das Moskauer Geistliche Seminar, wurde 1962 zum Priester geweiht und begann seinen Dienst in Dmitrow, in einer Gemeinde im Moskauer Umland. Schon wenige Jahre später tauchte sein Name in Dokumenten auf, die die Kirchenleitung und die Behörden als ernste Herausforderung begriffen.

Im Jahr 1965 richtete er zusammen mit dem Priester Nikolai Eschliman einen siebzigseitigen offenen Brief an Patriarch Alexius I. Der Text befasste sich mit den Chruschtschow-Verfolgungen, bei denen etwa zehntausend Kirchen geschlossen wurden. Ein offener Brief an den Patriarchen war in der Sowjetära eine seltene und riskante Geste, da eine öffentlich adressierte Eingabe den Rahmen der geschlossenen kirchlichen Korrespondenz sprengte. Die Folge war ein Dienstverbot für Jakunin.

Komitee, Verhaftung und Lager

1976 gründete Jakunin das Christliche Komitee zum Schutz der Rechte der Gläubigen. Die Organisation dokumentierte Fälle von Einschränkung der Religionsfreiheit und drängte auf deren Bekanntmachung, was unter den Bedingungen des sowjetischen Systems ständigen Druck auf ihre Mitglieder bedeutete. Das Komitee wurde zu einer der wenigen unabhängigen Stimmen, die über die Lage der Gläubigen im Land sprachen, und genau das machte Jakunin zu einer Figur, die die Behörden als Bedrohung ansahen, nicht nur als Priester mit kirchlichen Ansprüchen.

Am 1. November 1979 wurde Jakunin verhaftet. Er verbrachte fünf Jahre in Lager und Verbannung, dann kam er durch Amnestie frei. Rehabilitiert wurde er 1991, als sich die politische Lage im Land verändert hatte. Amnestie bedeutet Freilassung ohne Aufhebung des Urteils, Rehabilitation stellt den guten Ruf wieder her, daher sind in seiner Biografie Freilassung und Rehabilitation durch Jahre getrennt.

Politik und Bruch mit dem Patriarchat

Anfang der 1990er Jahre stieg Jakunin in die große Politik ein. Er war Ko-Vorsitzender von „Demokratisches Russland“, einer Bewegung, die Anhänger demokratischer und marktwirtschaftlicher Veränderungen vereinte. Als Volksdeputierter der RSFSR, später Abgeordneter der ersten Staatsduma, blieb er ein Priester, der zugleich an der parlamentarischen Arbeit teilnahm und weiter mit der Kirchenleitung stritt.

1993 enthob ihn das Moskauer Patriarchat seines Amtes. Vier Jahre später, 1997, belegte es ihn mit dem Anathema, erklärte ihn also offiziell für außerhalb der kirchlichen Gemeinschaft stehend. Für einen Gläubigen bedeutet eine solche Entscheidung nicht bloß die Absetzung von einem Posten, sondern den Bruch mit der Kirchengemeinde.

Seit 2000 entwickelte Jakunin eine Bewegung, aus der mit der Zeit die Apostolische Orthodoxe Kirche erwuchs. Solche Gemeinschaften gründen ihre Legitimität gewöhnlich auf eine alternative Sukzession der Weihen und entziehen sich der Kontrolle der offiziellen Hierarchie. Für Jakunin war dies die Fortsetzung des jahrelangen Streits mit dem Patriarchat, der mit dem Brief an Alexius I. begonnen hatte.

Die letzten Wochen

Etwa zwei Wochen vor der Einlieferung aus den USA zurückgekehrt, verlor Jakunin zeitweise das Bewusstsein. Dennoch feierte er am 9. November noch die Liturgie gemeinsam mit Priestern der Apostolischen Kirche. Die Intensivstation ist für Patienten bestimmt, die ständige Überwachung und Unterstützung der lebenswichtigen Körperfunktionen benötigen, daher wies allein die Tatsache der Verlegung dorthin auf die Schwere seines Zustands hin. Als NEWSru unter Berufung auf über die Einlieferung berichtete, befand sich Jakunin im Koma.

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Carlos Benítez

Autor

Politischer Korrespondent

Foto: Иллюстрация Maralles, создана с помощью ИИ