Religion

Fahrer, der Bischof Wedmedenko überfuhr, war bereits verurteilt, aber auf freiem Fuß

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Am 17. November 2021 berichtete der Fernsehsender T1 unter Berufung auf eine Recherche von OBOZREVATEL über die Vergangenheit von Roman Sawytsch, der wegen der Tötung des Luzker Bischofs Oleh Wedmedenko festgenommen wurde. Im Sommer 2020 hatte Sawytsch kommunale Wachleute in Luzk mit Pfeffergas angegriffen, die Opfer erlitten chemische Augenverätzungen. Das Gericht sprach ihn des Verbrechens nach Artikel 350 Absatz 2 des Strafgesetzbuches der Ukraine schuldig und verhängte die Mindeststrafe: drei Jahre Freiheitsbeschränkung.

Oleh Wedmedenko wurde am 18. September 1961 in Luzk geboren. 1997 gründete er an der Dreifaltigkeitskathedrale die Bibelschule der geistlichen Vervollkommnung, seinen Dienst begann er als Diakon in der UOK-KP. Im Oktober 2006 wurde er nach einem Konflikt mit dieser Kirche exkommuniziert und am 5. November desselben Jahres zum Priester der UAKP geweiht. 2012 wurde er Bischof, ab 2013 leitete er die Eparchie Wolhynien und Galizien, von 2015 bis 2019 war er Ersthierarch der UNKPK. Er war Pfarrer der Kirche „Christi Auferstehung“ in Luzk, Mitglied des Nationalen Journalistenverbandes der Ukraine und Autor von Büchern. Seinen Tod würdigte der Nationale Journalistenverband der Ukraine am 17. November mit einem Nachruf.

Laut Ermittlungen fuhr der Fahrer Roman Sawytsch am Abend des 14. November gegen 21:00–22:00 Uhr auf dem Wassyl-Mojsej-Prospekt in alkoholisiertem Zustand mit einem Mazda 6, der seiner Frau gehörte, auf den Gehweg und erfasste den 60-jährigen Wedmedenko. Anschließend versuchte er, in Richtung des Parkplatzes des Einkaufs- und Unterhaltungszentrums „Promin“ zu fliehen, wurde jedoch von Passanten und Patrouillen festgehalten. Der Bischof starb am Morgen des 15. November im Luzker Stadtklinikum. Das Verfahren wurde nach Artikel 286-1 Absatz 3 des Strafgesetzbuches eröffnet, die Festnahme erfolgte nach Artikel 208 der Strafprozessordnung. Am Abend des 15. November fand in der Kirche eine Litija statt.

Ein Urteil, das nie vollstreckt wurde

Die wichtigste Nachricht, die T1 und OBOZREVATEL am 17. November aufgriffen, betrifft nicht den Unfall selbst, sondern die Gerichtsgeschichte des Fahrers. Sawytsch legte gegen das Urteil im Fall des Angriffs auf die Wachleute Berufung ein, und am 19. Oktober 2021 bestätigte das Berufungsgericht Wolhynien das Urteil – etwa drei Wochen vor dem Unfall. Die Strafe wurde jedoch nie vollstreckt, und der Verurteilte blieb auf freiem Fuß. Die Polizei konnte nicht erklären, warum dies geschah, und der Strafvollzugsdienst schlug den Journalisten vor, eine offizielle Anfrage zu stellen. Außerdem war Sawytsch bereits früher wegen Fahrens mit fremden Kennzeichen zur Verantwortung gezogen worden.

Wichtig ist die genaue Bezeichnung der Strafe. Die Schlagzeile von T1 besagt, der Fahrer „hätte im Gefängnis sitzen müssen“, doch es handelte sich um Freiheitsbeschränkung, nicht um Haft. Diese milde Maßnahme trat am 19. Oktober in Kraft und wurde keinen Tag vollzogen. Dennoch zog die Publikation daraus die Hauptschlussfolgerung: „Die Tragödie hätte nicht geschehen müssen, wenn das Gerichtsurteil vollstreckt worden wäre“, heißt es in dem von T1 wiedergegebenen Material von OBOZREVATEL. Dort wird auch angemerkt, dass „der verurteilte Verbrecher weiterhin auf freiem Fuß blieb“. Diese Vorstrafe wird das Gericht später als erschwerenden Umstand werten.

Verhaftung und Abschied

Vor Gericht, wohin Sawytsch nach seiner Festnahme gebracht wurde, weinte er und entschuldigte sich. Am 16. November ordnete Richterin Alla Paljuschko Untersuchungshaft für ihn an: 60 Tage ohne Kaution. Am selben Tag fanden im Hof der Kirche „Christi Auferstehung“ die Totenmesse und das Begräbnis statt. Die Familie des Bischofs wird von seinen Söhnen weitergeführt: Wassyl, ein Priester, trat die Nachfolge seines Vaters in der Gemeinde an, und Pawlo dient in derselben Kirche. Anwalt der Familie ist Roman Chomitsch.

Sawytschs Verteidigung führte in der ersten Phase Orest Uryn, in den späteren Stadien vertrat Pawlo Poletylo die Interessen des Fahrers. Er war auch an der Berufungsverhandlung im Fall des Angriffs auf die Wachleute beteiligt. Die Ermittlungen zum Unfall leitete Andrij Kuz von der Bezirkspolizeiverwaltung Luzk, die Informationen für die Journalisten übermittelte die Sprecherin der Polizei Wolhyniens, Olha Busuluk. Festgehalten wurde der Fahrer von den Anwälten Ihor Wassyliuk und Maksym Olischtschuk, die sich im Moment des Unfalls in der Nähe befanden.

Die Untersuchungshaft für Sawytsch wurde bis zum 12. Januar 2022 verlängert, und die Ermittlungen sammeln weiterhin Beweise im Fall des Todes von Oleh Wedmedenko.

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Mathieu Blanchard

Foto: Иллюстрация Maralles, создана с помощью ИИ