Politik

Ussow bei Skripin: „War, ist und könnte aufhören zu sein“

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Am 17. Juni 2020 gab der Leiter der Staatlichen Raumfahrtagentur der Ukraine, Wolodymyr Ussow, dem Journalisten Roman Skripin ein Interview, dessen wichtigste Thesen TSN zusammenfasste. Auf die Frage „war, ist und wird sein“ antwortete Ussow: „War, ist und könnte aufhören zu sein“ – und nannte diese Variante nach vier Monaten im Amt die realistischste.

Ussow übernahm die Leitung der Staatlichen Raumfahrtagentur per Regierungsbeschluss vom 24. Januar 2020: Er wurde für fünf Jahre mit einer sechsmonatigen Probezeit ernannt. Sein Vorgänger Pawlo Dehtjarenko war am 3. November 2019 entlassen worden, und genau Ussow gewann den Wettbewerb um den Chefposten. Vor seinem Eintritt in den Staatsdienst hatte er bereits private Firmen gegründet. 2011 rief er mit Partnern „Gutenbergz“ ins Leben, das interaktive Bücher und elektronische Lehrbücher entwickelte, und 2013–2014 startete er Kwambio, das sich mit 3D-Keramikdruck befasste.

Weltraum ohne Erfahrung

Das Interview mit Skripin begann Ussow mit dem Eingeständnis, zuvor nie in der Raumfahrtbranche gearbeitet zu haben. Als er den Weltraum mit den ihm vertrauten Technologien verglich, sagte er: „Der Weltraum ist sogar komplizierter als 3D-Drucker. Und in einer Garage werden ein paar Leute keine Rakete bauen.“ Auf die Frage nach der Zukunft der ukrainischen Raumfahrt antwortete er: „War, ist und könnte aufhören zu sein“ – und nannte diese Variante die realistischste nach vier Monaten im Amt. TSN bezeichnete Ussow in seinem Beitrag als neu ernannten Chef der Agentur, sodass die Einschätzung von einem Mann kam, der gerade erst in die Branche eintrat.

Der Großteil des Gesprächs drehte sich um die Vergangenheit. Ussow bestritt, dass Roman Abramowitsch Investor von Kwambio gewesen sei. TSN erinnerte daran, dass das Unternehmen 2017 500.000 Dollar vom Fonds Impulse VC erhalten hatte, den russische Medien mit Abramowitsch in Verbindung bringen. Ussow selbst räumte ein, dass Kwambio nie offiziell mit Elon Musk und Tesla oder mit der NASA zusammengearbeitet habe. Vor diesem Eingeständnis hatte das Unternehmen den IDCEE-Wettbewerb 2014 gewonnen und es ins Programm von TechStars Boston geschafft. TechStars ist ein Accelerator, der Start-ups mehrere Monate lang mit Mentoren und Investitionsvorbereitung begleitet; eine Teilnahme daran wird oft als Zeichen der Aufmerksamkeit für ein Projekt gesehen, nicht als Beleg für dessen kommerziellen Erfolg.

„Gutenbergz“ und Ausschreibungen

Ussows Behauptung, es gebe keine Verfahren gegen ihn und „Gutenbergz“ habe nicht an Ausschreibungen teilgenommen, widersprach TSN. Die Redaktion erinnerte an ein Verfahren des Staatlichen Ermittlungsbüros, das im Juni 2019 eröffnet wurde, an den Vermittler des Verlags bei Ausschreibungen, die Firma „Electronik Solution“, und an die im November 2019 genehmigte Beschlagnahme der Konten von „Gutenbergz“. Wie 368.media schrieb, erhielt der Vermittler bei Ausschreibungen der Oblastverwaltung Mykolajiw für den Zugang zu Lehrbüchern, die über das Bildungsministerium kostenlos hätten sein sollen, 12,9 Millionen Hrywnja.

Die Durchsuchungen in seiner Wohnung und im Büro brachte Ussow mit dem Wettbewerb in Verbindung: Seinen Worten nach fanden sie in der Nacht vor der finalen Etappe statt. Der Durchsuchungsbeschluss im Fall „Gutenbergz“ sei, wie AIN schrieb, am 17. Dezember 2019 ausgestellt worden, also noch vor Ussows Ernennung zum Chef der Agentur. Weder TSN noch 368.media erheben Anklage gegen ihn, und ein Urteil in dem Fall gibt es nicht; es handelt sich also um Versionen der Redaktion und um die Position Ussows selbst.

Was danach geschah

Das Interview erschien vor dem Hintergrund eines bereits eröffneten Verfahrens und direkter Auseinandersetzungen über Ussows Vergangenheit. Am 23. Juni 2020 führte das Staatliche Ermittlungsbüro in Odessa 16 Durchsuchungen im Fall von Lehrbüchern im Wert von 13 Millionen Hrywnja durch, unter anderem beim Vize-Bürgermeister Wugelman, wie Antikor meldete. Am 21. Juli schrieb Antikor, dass mehr als hundert Abgeordnete die Entlassung Ussows fordern, und der Anwalt Masi Najem veröffentlichte den Appell.

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Henrik Falkenberg

Foto: Иллюстрация Maralles, создана с помощью ИИ