Der Beschluss zur Schaffung eines geostationären Kommunikationssatelliten erging 2007. 2009 unterzeichnete das Staatsunternehmen „Ukrkosmos“ im Auftrag der Nationalen Weltraumagentur der Ukraine einen Vertrag mit der kanadischen MDA, und der Start vom Kosmodrom Baikonur war für 2011 geplant. Das Geld kam von der EDC: 292 Millionen Dollar unter staatlichen Garantien der Ukraine, für zehn Jahre, zu 3,53 Prozent Jahreszins. Die Summe setzte sich aus einem Kostenvoranschlag von 254,6 Millionen Dollar und einem Risikoaufschlag von 14,86 Prozent zusammen.
Der Satellit erreichte die Umlaufbahn nicht. Laut Ussow befindet sich der Apparat im russischen Unternehmen „Informazionnyje Sputnikowyje Sistemy“ (Informationssatellitensysteme) in Krasnojarsk. „Ukrkosmos“ lässt sich die Eigentumsrechte übertragen, doch der Vertrag über die Übernahme des Apparats ist ungültig. Der Satellit kann erst nach Konsultationen von ISS mit MDA zurückgeholt werden, und ohne diese bleibt die Frage offen.
Drei Szenarien
Laut Ussow hat die Agentur drei Wege, vom am wenigsten realistischen zum realistischsten. Erstens: Der Staat stockt das Projekt um 50–60 Millionen Dollar auf, die für die Rakete, Tests und Nachbesserungen verwendet werden, und startet den Apparat von Baikonur. Zweitens: Ein Investor vollendet den Satelliten und teilt dessen Kapazität. Drittens, was Ussow als das realistischste bezeichnete: das Recht auf Forderung an Dritte verkaufen und mit diesem Geld einen neuen Satelliten bauen. Die Wahl werde, so Ussow, zwei bis drei Monate dauern, und die Entscheidung würden die Regierung und eine Arbeitsgruppe treffen.
Eine Schlange von Investoren gibt es dabei nicht, und Ussow verschwieg das nicht: „Ich kann nicht sagen, dass wir eine Schlange von Investoren haben …“ Das Ausmaß des Problems zeigt sich auch am Budget der Agentur. 2019 betrug das offizielle Budget der Staatlichen Weltraumagentur der Ukraine 537 Millionen Hrywnja, tatsächlich waren es 80–90 Millionen. Das Fünfjahresprogramm, das die Agentur vorbereitete, ist auf 30 Milliarden Hrywnja ausgelegt, und für seine Umsetzung werden etwa 250 Millionen Dollar pro Jahr benötigt, wovon die Hälfte aus Investitionen kommen soll.
Den Zustand der Branche beschrieb Ussow ohne Beschönigung, wie AIN.UA berichtete:
„Alles beginnt zu zerfallen, der Zerfallsprozess dauert bereits 20 Jahre“
Ernennung und der Fall Gutenbergz
Ussow übernahm die Agentur in einem schwierigen Moment. Sein Vorgänger Pawlo Dehtjarenko wurde am 3. November 2019 entlassen, woraufhin die Regierung einen Wettbewerb ausschrieb. Als Sieger benannte das Kabinett Ussow am 27. Dezember 2019, und am 24. Januar 2020 wurde er für fünf Jahre mit einer sechsmonatigen Probezeit zum Leiter der Staatlichen Weltraumagentur der Ukraine ernannt. Dem Kollektiv wurde er am 5. Februar vorgestellt. Ussow ist bekannt als Gründer von Gutenbergz, einem Unternehmen, das interaktive Bücher und elektronische Lehrbücher herstellte, und später von Kwambio, das sich mit 3D-Keramikdruck befasste.
Rund um Gutenbergz läuft ein Strafverfahren, und es ist wichtig, dieses genau wiederzugeben. Nach Darstellung von 368.media und „Antikor“ erhielt der Händler des Unternehmens „Electronic Solutions“ Aufträge der Oblastverwaltung Mykolajiw, darunter über 12,9 Millionen Hrywnja, und insgesamt ging es um 15–24 Millionen Hrywnja für den Zugang zu Lehrbüchern, die über das Bildungsministerium kostenlos hätten sein sollen. Am 17. Dezember 2019 wurde in dieser Sache ein Durchsuchungsbeschluss erlassen. Laut TSN fanden die Durchsuchungen bei Ussow zu Hause und im Büro in der Nacht vor dem Finale des Wettbewerbs statt. Ein Urteil in dem Fall gibt es nicht, und die zitierten Medien nannten Ussow persönlich nicht als Verdächtigen.
Der Fall entwickelte sich auch nach der Ernennung weiter. Am 23. Juni 2020 führte das Staatliche Ermittlungsbüro 16 Durchsuchungen in Odessa wegen Lehrbuchbeschaffungen im Wert von 13 Millionen Hrywnja durch, darunter beim Vize-Bürgermeister Wuhgelman, wie „Antikor“ schrieb.
Später, im November 2020, sprach Ussow von einem britischen Investor über Pierce Sat, der bereit sei, 100 Millionen Dollar in den Start zu investieren, wie „Babel“ wiedergab. Doch am 16. November 2020 entließ die Regierung Ussow nach Artikel 87 des Beamtengesetzes und ernannte Mychajlo Lewa zum kommissarischen Leiter der Agentur.
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