Die Idee interaktiver Bücher ist bei Wolodymyr Ussow mit dem Kauf des ersten iPads im Jahr 2010 verbunden. Ein Jahr später entstand in Odessa der Verlag Gutenbergz, und sein erstes ernsthaftes Projekt wurden „Die Abenteuer des Sherlock Holmes“ für das Tablet. Genau dieses Buch gehörte zu den fünf, die im Frühjahr 2014 auf dem Bucharsenal vorgestellt wurden.
Das Festival findet im Mystezkyj Arsenal statt, dem ehemaligen Arsenal der Kiewer Festung, das heute als Zentrum für zeitgenössische Kunst dient. Das Programm umfasste Literatur, Musik und Gespräche über Protest: Eineinhalb Monate nach den Ereignissen auf dem Majdan sprachen die Organisatoren über die Philosophie des Protests und neue ukrainische Musik. Vor diesem Hintergrund wirkte der Buchteil wie der Versuch zu zeigen, dass das ukrainische Verlagswesen einen eigenen Weg sucht und nicht nur das gedruckte Modell wiederholt.
Fünf Geschichten auf einer Bühne
Die Präsentation wurde von „Chytomo“ moderiert, und die Teilnehmer stellten ihre eigenen Arbeiten vor. Wolodymyr Ussow sprach über „Sherlock Holmes“ von Gutenbergz. Daneben traten auf: Mykola Mykolajew von „Piraten des Kiewer Meeres“ mit „Kotyhoroschko“, Taras Malkowytsch von „A-BA-BA-HA-LA-MA-HA“ mit „Die Schneekönigin“, Marjana Sawka vom „Verlag des Alten Löwen“ mit „Sabawlanky“ und Olha Tscherepanowa von Glowberry Books mit dem Buch „Mama beeilt sich nach Hause“.
Wichtig ist, dass es sich um eine gemeinsame Präsentation von fünf Verlagen handelte und nicht um einen separaten Auftritt Ussows. Das Programm des Bucharsenals widmete Gutenbergz eine einzige Zeile, und mehr wurde an jenem Tag nicht über das Projekt gesagt. Dennoch war das Bild bezeichnend: Ukrainische Verleger standen gemeinsam auf einer Bühne mit Büchern, die auf dem Tablet-Bildschirm existieren und für den Verkauf außerhalb des Landes gedacht sind.
Was hinter „Sherlock Holmes“ stand
Das Projekt erschien am 2. Dezember 2012 im App Store, ein Jahr später als ursprünglich geplant. Der Start kostete etwa 25.000 Dollar, und für ein kleines Odessaer Team war das ein ernsthafter Einsatz. Bereits im März 2013 wurde die App 23.000 Mal heruntergeladen, 70 Prozent der Verkäufe entfielen auf die USA, und im Team arbeiteten sieben Personen.
Für Gutenbergz erwies sich der amerikanische Markt als der wichtigste. Das interaktive Buch für das iPad konkurrierte nicht mit ukrainischen Ausgaben, sondern mit englischsprachigen Apps, und das bestimmte sowohl den Preis als auch das Design und die Themenwahl. Der klassische Krimi von Conan Doyle passte gut zum Format: Der Text ist bekannt, das Publikum ist offen für neue Lesearten, und interaktive Elemente lassen sich leicht in die Handlung einbauen.
Von der Politik zur Technologie
Im Jahr 2014 war Ussow auch als Politiker bekannt: Er leitete die Odessaer Organisation der „Batkiwschtschyna“. In einem Interview mit „Chytomo“ am 31. März, eine Woche vor der Eröffnung des Festivals, ging es um das Projekt „Gadgetarium“ und einen GTF-Zuschuss von 240.000 Hrywnja. Damals teilte Ussow mit, er habe die Politik verlassen, und seine Interessen verlagerten sich auf Technologien.
Danach verlief Ussows Karriere schnell. Im Oktober 2014 startete er gemeinsam mit Dmytro Krywoschej Kwambio, und das Projekt gewann bei der IDCEE sowie 500.000 Dollar von einer Odessaer Firma, deren Name nicht genannt wurde. Im Herbst 2015 reiste Ussow nach Boston, wo im Juni desselben Jahres die Aufnahme bei Techstars begann, einem der bekanntesten Startup-Akzeleratoren. Insgesamt umfasste der Sommerjahrgang zwölf Teams, und die Investitionen von Techstars und Business Angels beliefen sich auf 650.000 Dollar. Als zweiter ukrainischer Resident des Programms kam das Team GV Machines von Ehor Antschischkin hinzu.
Die Kiewer Präsentation von 2014 wurde für Gutenbergz zu einem der öffentlichen Ereignisse in einer Übergangsphase. Wenige Monate danach begann in Boston ein neuer Abschnitt für Ussow: Im Juni 2015 erhielt sein Projekt einen Platz im Techstars-Programm, und Geld und Mentoren wurden Teil des nächsten Schritts.
1




