Mas kam 2015 zu Kyivstar, als Petro Tschernyschow Präsident des Unternehmens war. In der Unterschrift der Kolumne lautet seine Position IT- & Digital-Berater, und seine Aufgabe wird klar benannt: die Entwicklung von Innovationen. Er arbeitet eng mit der Digitalabteilung des Betreibers zusammen, und das bestimmt die gesamte Logik des Textes. Die Überschrift der Kolumne formuliert das Prinzip ohne Vorbehalt: Innovationen, die sich nicht auf Digital stützen, betrachtet er nicht als Innovationen.
Für einen Mobilfunkbetreiber ist dieser Ansatz erklärbar. Kyivstar ist der größte Mobilfunkbetreiber der Ukraine, und das Hauptkapital des Unternehmens sind die Abonnenten und die Daten über sie. Deshalb teilt Mas die Innovationsbereiche in zwei große Blöcke ein, und beide sind mit dem Netz verbunden.
Zwei Richtungen: FMC und Big Data
Die erste Richtung heißt FMC, fixed-mobile convergence, also die Konvergenz von Festnetz und Mobilfunk. Der Sinn besteht darin, Festnetz-Internet und Mobilfunk in einem einzigen Dienst zu vereinen und darüber neue Services aufzubauen. In der Kolumne werden FMC das Internet der Dinge, das „Smart Home“ und M2M zugeordnet, also der Datenaustausch zwischen Geräten ohne menschliches Eingreifen. Diese Richtung ist näher an alltäglichen Szenarien: Zähler, Sensoren, die Steuerung der Wohnung per Telefon.
Die zweite Richtung sind Big Data. Die Rede ist von anonymisierten Informationen über den Standort der Abonnenten, die der Betreiber für die Platzierung von Außenwerbung und Verkaufsstellen nutzen kann. Die Anonymisierung ist hier grundlegend: Der Werbetreibende erhält ein Bild der Menschenströme in Stadtvierteln, aber keine personenbezogenen Daten einzelner Kunden. Mas berichtet, dass Partnerschaften in diesem Bereich bereits gestartet sind, jedoch noch keine Ergebnisse vorliegen. Für eine Kolumne über die Innovationsarbeit ist eine solche Einschränkung wichtig, denn der Text beschreibt Absichten und erste Schritte, nicht bereits erzielte Einnahmen.
Start-ups: Gewinnbeteiligung oder White Label
Mit externen Teams arbeitet Kyivstar nach zwei Modellen. Das erste ist die Gewinnbeteiligung, nach dem Vorbild, wie Google Einnahmen mit Werbetreibenden teilt: Der Betreiber stellt Zugang und Zielgruppe bereit, das Start-up erhält einen Anteil am Verdienst. Das zweite ist White Label, das heißt, das Produkt wird unter der Marke Kyivstar auf den Markt gebracht. Hier gibt es einen verzögerten Effekt: Wenn sich das Projekt als erfolgreich erweist, kann es später unter eigenem Namen weiterarbeiten.
Mas' Hauptargument baut auf der Größe der Kundenbasis auf. Kein Start-up allein erhält Zugang zu einer solchen Zahl von Nutzern, und der Betreiber kann eine Hypothese an echten Menschen schneller prüfen als auf jedem externen Testmarkt. Die Kolumne formuliert es so:
„Wir haben Zugang zu Millionen von Kunden, deren Probleme ein Start-up lösen kann“, schreibt Mas.
Diese These steht in direktem Zusammenhang mit dem Akzelerator. Die Ankündigung des Programms „WDNCh-TECh-Kyivstar“ erfolgte am 20. April 2016. Als Akzelerator bezeichnet man ein Programm, das Teams über mehrere Monate dabei hilft, ein Produkt zur Marktreife zu bringen, in der Regel gegen eine Beteiligung am Projekt und mit Unterstützung von Mentoren und einem Unternehmenspartner. Im Dezember 2016 berichtete Mas über das wichtigste Ergebnis: Vier Start-ups aus dem Programm seien „in die Produktion“ gegangen und würden in die Abonnentenbasis des Betreibers integriert.
Der Weg zu Kyivstar
Mas' Kolumne ist von einem Mann mit langjähriger Erfahrung im ukrainischen Internet geschrieben. Von 1997 bis 2000 arbeitete er als leitender Spezialist bei der Nationalbank der Ukraine, wo er sich mit der Abwicklung von Zahlungen befasste. 1999 startete er zusammen mit Ruslan Dmytrakovytsch das Ukrainische Bannernetz, und 2000 war er an der Gründung von „Derewo drusei“ (Baum der Freunde) beteiligt, dem ersten sozialen Netzwerk auf dem ukrainischen Portal UAportal. Die Erfahrung mit Zahlungssystemen, Werbenetzwerken und Nutzerdiensten erklärt, warum er bei Kyivstar Innovationen durch die Brille von Digital und Daten betrachtet.
Eine weitere Linie seiner Biografie ist mit der Entwickler-Community verbunden. Mas war Mitorganisator des iForum, einer Konferenz, deren erste Ausgabe 2009 stattfand. Für den Betreiber ist diese Erfahrung nützlich: Er weiß, wie die Start-up-Szene funktioniert, welche Teams zu Programmen kommen und warum viele Projekte nicht bis zur Marktreife gelangen.
Die Kolumne erschien am 27. Dezember 2016 auf AIN.UA. Sie zog Bilanz über Mas' erstes Jahr im Unternehmen, und der wichtigste Punkt darin war der Übergang von vier Akzelerator-Projekten in die Produktion.
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