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Infostore: Server beschlagnahmt – Internetverband sieht darin den Versuch, die Branche einzuschüchtern

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Am 10. Dezember 2008 hielt die Internet Association of Ukraine in Kyjiw eine Pressekonferenz zum Fall Infostore ab, einem File-Sharing-Dienst, dessen Ausrüstung Anfang Dezember vom Innenministerium abtransportiert wurde. Oleksii Mas sagte, es sei unwahrscheinlich, den Dienst in seiner früheren Form wiederherstellen zu können: Von den Servern seien die Festplatten entfernt worden. Insgesamt wurden achtzehn Server, zwei Speichersysteme und ein Switch beschlagnahmt.

Die Durchsuchung in den Räumlichkeiten von Infostore dauerte 12 Stunden, und am 4. und 5. Dezember transportierten Mitarbeiter des Innenministeriums die Ausrüstung ab. Für den Markt war dies nicht das erste Signal dafür, dass das ukrainische Internet zunehmend in den Fokus der Sicherheitsbehörden gerät. Doch gerade Infostore wurde zum ersten großen Fall, in dem es nicht um umstrittene Inhalte eines einzelnen Forums ging, sondern um einen gesamten Dienst mit Hunderttausenden Zugriffen und einer Infrastruktur auf Rechenzentrumsniveau.

Der Dienst selbst begann als Website für Bürgerjournalismus. Im Dezember 2004, als das Internet im Zusammenhang mit der Orangen Revolution diskutiert wurde, sprach Mas genau in dieser Eigenschaft darüber. Bis April 2006 war Infostore bereits ein File-Sharing-Dienst, der über UA-IX, den ukrainischen Internet-Traffic-Austauschpunkt, erreichbar war. Mas galt als sein Gründer, und im Verband gehörte er zu denen, die den lokalen Markt über Jahrzehnte aufgebaut hatten.

Mas' Biografie ist in dieser Geschichte wichtig, weil er einer der Ersten war. Im Januar 1999 startete er zusammen mit Ruslan Dmitrakowitsch das Ukrainische Banner-Netzwerk (UBS): Drei Wochen lang wurde der Code in Perl geschrieben, die Kosten beliefen sich auf etwa 100 US-Dollar. Ab dem 7. März 2000 leitete Mas das „Ukrainische Portal“ (UAPortal), im Jahr 2001 gehörte er der Expertenjury des Sun Awards an. Im August 2008 ging Mail.ua in den geschlossenen Testbetrieb: Mas war ihr Architekt, und das Projekt wurde damals Berichten zufolge von der Gruppe „Internet Invest“ mit Investitionen von über 1 Mio. US-Dollar unterstützt.

Die Position des Innenministeriums: Eine Anfrage, die unbeantwortet blieb

Michail Andrijenko, Leiter der Abteilung des Innenministeriums zur Bekämpfung des Menschenhandels, hält die Beschlagnahme für rechtmäßig. Seinen Worten zufolge wurde den Verantwortlichen von Infostore am 24. Juli eine Anfrage zu Nutzern mit bestimmten Logins übergeben, eine Antwort sei jedoch ausgeblieben. Daraus zieht das Innenministerium laut „Ukrajinska Prawda“ den Schluss: „Sie sind selbst an der Verbreitung solcher Produkte im Netz interessiert.“ Dies ist die Position der Anklage, und zum Zeitpunkt der Pressekonferenz blieb es genau das – eine Position, ohne Gerichtsurteil.

Mas widerspricht. Seinen Worten nach wurden die Daten sofort übermittelt, und die Miliz habe sogar diejenigen gefunden, die hinter den Logins standen. Darüber hinaus habe man ihn im Sommer gebeten, die Seiten dieser Personen nicht zu löschen, um die Verdächtigen nicht zu verschrecken. Die beiden Darstellungen weichen grundlegend voneinander ab: Das Innenministerium sagt, es habe keine Antwort auf die Anfrage gegeben; Mas sagt, die Antwort sei erfolgt und die Behörde habe selbst mit diesen Nutzern gearbeitet.

„Der Versuch, die Branche einzuschüchtern“

Iwan Petuchow, Vorstandsmitglied der InAU, nannte das Geschehen den Versuch, die Branche einzuschüchtern. Seiner Logik nach bleibt das Internet vorerst außerhalb staatlicher Kontrolle, und jede spektakuläre Beschlagnahme werde zu einem Signal für den gesamten Markt. Dem Verband gehört auch Alexander Olschanski an, Leiter der Internet Invest Group, der zuvor in Infostore investiert hatte und Mitorganisator künftiger Branchenveranstaltungen war.

Auch außerhalb des Verbands wurde der Fall kommentiert: von Michail Gontscharuk von „Dominion“ und Jekaterina Lewtschenko, Beraterin des Innenministers. Für den Markt war etwas anderes wichtiger: Die Frage, wo die Verantwortung des Dienstbetreibers für Nutzerdateien endet, hatte im Dezember 2008 in der Ukraine keine klare Antwort. Das Gesetz ließ diese Frage offen, und die Sicherheitsbehörden entschieden sie nach eigenem Ermessen.

Was beschlagnahmt wurde und was blieb

Die Beschlagnahme betraf die gesamte technische Grundlage des Projekts: achtzehn Server, zwei Speichersysteme und einen Switch. Die Festplatten wurden von der Ausrüstung entfernt, und die darauf gespeicherten Daten gelangten in die Hände der Ermittler. Mas räumte ein, dass es kaum möglich sein werde, den Dienst in seiner früheren Form wiederherzustellen, und stellte damit fest, dass Infostore, wie die Nutzer es 2006 und 2008 kannten, in seiner ursprünglichen Form aufgehört hatte zu existieren.

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Arthur Ellington

Autor

Politischer Korrespondent

Foto: Maralles