Ussow erhielt die Agentur nach einem Wettbewerb, an dem Ende November 2019 achtzehn Bewerber teilnahmen. Das Kabinett erklärte ihn am 27. Dezember zum Sieger, die Ernennungsurkunde für fünf Jahre mit sechsmonatiger Probezeit wurde am 24. Januar 2020 unterzeichnet, und dem Kollektiv wurde er am 5. Februar vorgestellt. Zum Zeitpunkt des Interviews blieb der Agentur laut Ussow ein Zeitfenster von ein bis zwei Jahren. Wenn es nicht genutzt werde, würden Potenzial, Kapazitäten und Menschen verschwinden.
Siebzehn Unternehmen und acht defizitäre
Dem Bericht für 2019 zufolge sind von den siebzehn Unternehmen der SSAU acht defizitär, zwei werden liquidiert. Als stark bezeichnete Ussow fünf bis sieben Unternehmen: „Juschmasch“, das Konstruktionsbüro „Juschnoje“, „Chartron“, „Kommunar“ und das Konstruktionsbüro „Arsenal“. Bei „Juschmasch“ gibt es derzeit nur zwei Raumfahrtprojekte: die ersten Stufen der Rakete Antares für die amerikanische NASA und Triebwerke Vega für die Europäische Weltraumorganisation. Auf dem Gelände des Werks wolle man laut Ussow einen europäischen Produktionshub schaffen.
Bereits nach seiner Ernennung, am 5. Februar, stellte Ussow dem Kollektiv der Agentur erstmals einen Plan vor, den er im Interview ausführlicher darlegte. Seine Hauptstützen: ein Fünfjahresprogramm, die Corporatisierung der Unternehmen und ein Akzelerator für Raumfahrt-Start-ups. Das Programm hoffte er, „höchstwahrscheinlich im Sommer“ in die Rada einzubringen. Die Corporatisierung trennte Ussow von der Übertragung der Unternehmen an private Eigentümer und betonte den Unterschied direkt:
„Corporatisierung ist keine Privatisierung“
Als Ziele für 2020 nannte er die Verabschiedung des Programms, den Start des Akzelerators und die Gewinnung von mindestens zehn privaten Unternehmen sowie erste Schritte zum Zugang zum Weltraum und zu einer eigenen Satellitengruppe. In fünf Jahren, so seine Vorstellung, solle die Ukraine unabhängigen Zugang zum Weltraum erhalten.
Geld
Formal beläuft sich der Haushalt 2020 für drei Bereiche auf etwas mehr als 600 Millionen Hrywnja, tatsächlich aber auf zehnmal weniger. Bezeichnend ist die Geschichte mit der Entsorgung von Raketentreibstoff: Dafür wurden 160 Millionen Hrywnja beantragt, zugewiesen werden 30 Millionen, und das auch nur für die Lagerung, nicht für die Entsorgung. Die Branche brauche laut Ussow mindestens fünf Milliarden Hrywnja pro Jahr, die Hälfte davon von Investoren und die Hälfte vom Staat. Das Programm, das nie verabschiedet wurde, kostete 10 Milliarden Hrywnja.
Den Satelliten „Lybid“ hält Ussow für ein unrealistisches Projekt. Eine Entscheidung wird vom Londoner Schiedsgericht erwartet, und der Apparat könne nur vom Baikonur mit einer Rakete gestartet werden, die es physisch nicht gibt. Das gemeinsame ukrainisch-brasilianische Projekt auf dem brasilianischen Weltraumbahnhof Alcantara zog sich fünfzehn Jahre hin, und Ussow nannte das inakzeptabel. Zum Kontext: Der Kredit über 292 Millionen Dollar für „Lybid“ wurde 2009 gewährt und 2019 vom Staat getilgt, das heißt, 2020 wurden keine neuen Mittel für das Projekt bereitgestellt.
Im Interview erwähnte Ussow auch Mondpläne. Das Konstruktionsbüro „Juschnoje“ bereite ein Projekt für eine industrielle Mondbasis vor, und unter den privaten Akteuren in diesem Bereich nannte er Firefly, Skyrora und Start-ups.
Warnung und weitere Ereignisse
Ussow beendete das Interview mit einer direkten Warnung, die die Redaktion von UNIAN in die Überschrift aufnahm: „Wenn heute nicht drastisch Reformen in der Raumfahrtbranche durchgeführt werden, wird es sie in einigen Jahren in der Ukraine als solche nicht mehr geben.“ Seine Ernennung erfolgte vor dem Hintergrund eines Strafverfahrens wegen Schulbüchern, das das Staatliche Ermittlungsbüro untersucht. Durchsuchungen bei Ussow selbst, zu Hause und im Büro, fanden im Dezember 2019 statt, vor der Ernennung, wie TSN schrieb. Keine der Quellen erhebt persönliche Vorwürfe gegen Ussow, ein Urteil in dem Fall gibt es nicht.
Ussow führte seine Arbeit in der Agentur nicht zu Ende. Am 16. November 2020 entließ ihn die Regierung nach Artikel 87 des Beamtengesetzes, kommissarischer Leiter der SSAU wurde Mychajlo Lew.
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