Technologie

„Wir sind wie die Indianer zur Zeit Kolumbus’“: Mas über Antifragilität und KI

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Im März 2016 sprach „Fokus“ mit Oleksii Mas, der auf dem iForum den Themenstrang „Internet-Business“ leitete und einen Vortrag mit dem Titel „Antifragilität und neue Trends in der IT“ hielt. Er erklärte, wie Uber das Taxigeschäft zerstört und Couchsurfing das Hotelgewerbe, und nannte Big Data und Blockchain als wichtigste Trends.

Im Jahr 2016 war das iForum weiterhin die wichtigste Plattform der ukrainischen Internet-Community, und Mas war hier fast so etwas wie ein Insider. Er stellte das Programm des Forums zusammen und leitete in diesem Jahr den Themenstrang „Internet-Business“. Eröffnet wurde der Strang von Alexander Olschanski, Mitveranstalter des Forums und Investor von Mail.ua. Zu den Referenten gehörten Pawel Krawtschenko von Distributed Lab mit dem Vortrag „Digitale Freiheit. Bitcoin. Blockchain“, der Direktor für digitale Transformation bei „Kyivstar“ Andrij Milinewskyj, Serhij Marin von „Wympelkom“ und Denys Schadanow von Readdle mit dem Thema „Apps sind tot, es leben die Apps“.

Das Forum selbst war aus einem Projekt hervorgegangen, das Mas von innen kannte. Das Erste Ukrainische Forum der Internet-Akteure fand am 1. April 2009 zum zehnjährigen Bestehen des Ukrainischen Bannernetzes statt und versammelte 1280 Teilnehmer. Das Bannernetz hatte Mas im Januar 1999 zusammen mit Ruslan Dmytrakowytsch gestartet: ein Skript in Perl, drei Wochen Arbeit und etwa 100 Dollar Kosten. Im März 2000 wurde er Direktor des „Ukrainischen Portals“ (UAPortal), und 2008 arbeitete er als Architekt bei Mail.ua, dessen geschlossener Test im August mit Investitionen von mehr als einer Million Dollar über die Bühne ging.

Antifragilität an Beispielen

Den Begriff der Antifragilität machte Nassim Taleb populär: die Eigenschaft von Systemen, Erschütterungen nicht nur zu überstehen, sondern an ihnen zu wachsen. Mas wandte die Idee auf einfache Weise auf Märkte an, anhand von Unternehmen, die ganze Branchen umgekrempelt haben. Uber, so sagte er, zerstöre das Geschäft der Taxifahrer, und Couchsurfing, bei dem Reisende kostenlos bei Einheimischen übernachten, zerstöre das Hotelgewerbe. Für ein Publikum, in dem viele in Internetwerbung, Entwicklung und Telekommunikation arbeiteten, waren solche Beispiele keine Abstraktion, sondern eine Beschreibung des eigenen Marktes.

Als wichtigste Trends nannte Mas Big Data und Blockchain. Über Blockchain, das verteilte Register, auf dem Bitcoin läuft, diskutierten 2016 sowohl Banken als auch Start-ups, und auf derselben Konferenz sprach Krawtschenko darüber. Für den ukrainischen Markt war das Thema besonders naheliegend: Rund um Kryptowährungen und verteilte Register wurde damals über Regulierung gestritten, und große Unternehmen suchten nach Wegen, diese Technologien ohne Spekulationen um die Coins einzusetzen.

Ein Laden, in dem niemand hinter dem Tresen steht

Als praktischsten seiner Thesen betrachtete Mas den Verkauf über Messenger und Bots per QR-Code. Er nannte das einen Durchbruch und führte als Beispiel die Plattform Sender an, die die Privatbank gestartet hatte. Seine Logik: Der Käufer scannt den Code, kommuniziert mit dem Bot im Messenger und bezahlt den Einkauf ohne Kasse und ohne einen Verkäufer zu suchen. „Noch ein bisschen, und wir kehren wieder in den Laden zurück, nur werden ihn dann Roboter bedienen“, sagte er und beschrieb die Zukunft des Einzelhandels.

Im Internet-Business des Jahres 2016 gewann die Idee der Bots erst langsam an Popularität, und viele Unternehmen experimentierten mit ihnen, ohne zu wissen, ob sie sich durchsetzen würden. Mas jedenfalls zweifelte dem Vortrag nach nicht daran, dass sie sich durchsetzen würden; die Frage war nur, wie schnell die Nutzer von Apps zu Chats wechseln würden.

Kolumbus und die künstliche Intelligenz

Wenn er über künstliche Intelligenz sprach, war Mas deutlich düsterer als beim Thema Einzelhandel. Seinen Worten zufolge werde, wenn die KI erfunden sei, was in zwanzig bis dreißig Jahren geschehen werde, „die Menschheit untergehen“. Gleich darauf schränkte er ein, ein solches Szenario sei „ganz und gar nicht sicher“. Das Bild, mit dem er die Lage der Menschen angesichts der neuen Technologie beschrieb, war historisch:

„Wir sind wie die Indianer zur Zeit Kolumbus’“

Dabei blieb Mas in beruflichen Fragen ein technologischer Optimist. Seine Karriere baute darauf, dass sich neue Kommunikationskanäle schnell in Geschäft verwandeln, was der Weg vom Bankprozessing bei Visa in der Nationalbank Ende der 1990er bis zu den Mail- und Suchprojekten der 2000er bestätigt.

schrieb im Nachruf, Mas habe drei Jahre lang das Innovationslabor von „Kyivstar“ geleitet und 2019 mit Geld von Spendern „handgemachte soziale Netzwerke“ gestartet. Er starb am 6. Oktober 2021 in Kiew im Alter von 47 Jahren nach einer Krankheit. Über den Tod berichtete am 8. Oktober sein Bruder Wiktor Mas.

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Mathieu Blanchard

Foto: Maralles