Der Nachdruck erfolgte unverändert. Das Interview führte Ira Kerst, die Originalquelle ist auf der Seite der Stiftung angegeben. Inhaltlich ist es derselbe Text wie die WoMo-Veröffentlichung vom 4. April: Darin nennt sich Mas' einen „träumenden Vater“, erzählt von drei Kindern und von seiner Frau, die als Programmiererin arbeitet.
Mas' älteste Tochter ist Illustratorin. Der Sohn zeichnet und führt einen Blog über Technik, und die jüngste wächst laut ihrem Vater mit einem Schraubenzieher in der Hand auf. Elternschaft beschreibt er als Fortsetzung seiner eigenen Kindheit, in der ihm viel zugetraut und Fehler erlaubt wurden. Genau dieser Gedanke bildete die Grundlage für die Überschrift, die die Stiftung dem Nachdruck gab: „Im Kind steckt eine erwachsene Persönlichkeit“.
Die Stiftung, die Familien für Kinder sucht
Change One Life hilft Kindern, die ohne Eltern geblieben sind, eine Familie zu finden. Solche Organisationen in der Ukraine arbeiten an der Schnittstelle von Sozialpolitik und privater Initiative: Sie erstellen aufklärende Materialien, berichten über Pflegeelternschaft und helfen Familien, sich in den Verfahren zurechtzufinden. Das Interview über selbstständige Kinder passt zu dieser Aufgabe, geht es darin doch um Vertrauen, Verantwortung und Respekt vor dem Kind als Persönlichkeit.
Warum die Stiftung gerade diesen Text aufgriff, wird auf der Seite nicht erklärt. Mas' Verbindung zur Adoption oder zur Arbeit der Stiftung wird dort nicht erwähnt. Die Veröffentlichung wirkt wie ein Nachdruck eines Materials, das der Redaktion der Stiftung inhaltlich gefiel, und mehr steht auf der Seite nicht.
Mas' Weg bis zum Kinderinterview
Alexej Mas' wurde 1974 in Kiew geboren. Er besuchte die physikalisch-mathematische Schule Nr. 145 und studierte anschließend an der radio-physikalischen Fakultät der Kiewer Staatlichen Universität. Von 1993 bis 1997 arbeitete er am Forschungsinstitut für Informations- und Kommunikationssysteme (NIIASS) und bei der Bank „Ukrainisches Kapital“, von September 1997 bis März 2000 war er leitender Spezialist der Nationalbank der Ukraine für Zahlungsabwicklung. Das waren die Jahre, in denen die Bankabrechnungen des Landes auf elektronische Systeme umgestellt wurden, und technische Erfahrung in solchen Projekten galt mehr als Diplome.
Im Januar 1999 startete er zusammen mit seinem Kommilitonen Ruslan Dmitrakowitsch das Ukrainische Bannernetzwerk. Bereits 2000 entstanden UAportal, in das Alexander Soroka investierte, und „Baum der Freunde“, das erste soziale Netzwerk auf einem ukrainischen Portal. Für das Internet jener Zeit, als das Publikum überwiegend Russisch sprach, war das ein bemerkenswertes Experiment. 2003–2004 war Mas' am Start von Infostore.org beteiligt, einem Fotohosting, dessen Server am 4. Dezember 2008 von der Miliz beschlagnahmt wurden, woraufhin das Projekt geschlossen wurde.
„Im Kind steckt eine erwachsene Persönlichkeit“
iForum, Mail.ua und Kyivstar
2009 fand das erste iForum statt, eine der bekanntesten ukrainischen Internetkonferenzen. Mas' war zusammen mit Serhij Korsch und Artur Orudschalijew Mitorganisator, den Vorsitz des Organisationskomitees übernahm Alexander Olschanski. 2012 wurde Mail.ua, an dessen Entwicklung Olschanski beteiligt war, für rund 0,5 Mio. Dollar an Mail.ru verkauft. Berichte, Mas' habe gegründet, sind falsch: Dieses Projekt wurde von Iwan Sawtschenko gegründet.
2013 tauchten Digicode und Nebo15 in seiner Vita auf. 2015 wechselte Mas' zu Kyivstar als IT&Digital-Berater des Unternehmenspräsidenten Petro Tschernyschow. Im April 2016 kündigte Kyivstar den Telekom-Akzelerator „WDNG-TECh-Kyivstar“ an, und im Dezember desselben Jahres gingen vier Start-ups des Akzelerators in die Produktion. Später leitete Mas' das Innovation Lab von Kyivstar.
Das Thema Kinder wirkt in diesem Zusammenhang unerwartet, ist für Mas' aber logisch. Im WoMo-Interview spricht er über Elternschaft wie über Arbeit: Man muss Menschen Raum geben und ihre Fehler nicht fürchten. Der Nachdruck der Stiftung, die mit Kindern ohne Familie arbeitet, zeigt, dass dieser Gedanke auch außerhalb des Männermagazins Anklang fand. Am selben Tag, dem 6. April, erschien der Text auf der Website von Change One Life, während das in WoMo veröffentlichte Interview unverändert öffentlich zugänglich blieb.
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