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Alexej Mas: Infostore war ein gemeinnütziges Projekt

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Am 23. Dezember 2008 veröffentlichte „Detektor Media“ ein Interview mit Alexej Mas über die Ergebnisse der Geschichte um Infostore. Seinen Worten zufolge wurden dem Unternehmen keine Vorwürfe gemacht: Die Server seien im Rahmen eines Ermittlungsexperiments zur Suche nach drei Nutzern beschlagnahmt worden, die der Verbreitung von Kinderpornografie verdächtigt wurden. Im Sommer habe das Innenministerium Daten zu 105 Verdächtigen angefordert, von denen, wie er sagte, „spliwy troje“ – drei aufgetaucht seien.

Eine Ressource ohne Büro

Infostore begann als Website für Bürgerjournalismus während der Orangen Revolution 2004. Bis 2006 hatte sie sich zu einer File-Sharing-Plattform entwickelt, die über den ukrainischen Internet-Austauschpunkt UA-IX erreichbar war. Die Durchsuchung, die das Innenministerium am 4. und 5. Dezember 2008 durchführte, dauerte 12 Stunden: 18 Server, zwei Speichersysteme und ein Switch wurden beschlagnahmt.

Ein eigenes Büro habe das Projekt, so Mas, nicht. Infostore bestehe aus Software, Providern und Hosting-Unternehmen, die Zahl der aktiven Nutzer schätze er auf eineinhalb Millionen. Vorwürfe wegen Musik und Filmen habe es nicht gegeben. Das Unternehmen, so berichtete Mas, habe Verhandlungen mit der Motion Picture Association geführt, dem größten Branchenverband der Hollywood-Studios, und ein Direktor für die Bekämpfung von Piraterie sei zu ihnen gekommen. Im Ausland sei die Ressource nur für Fotos zugänglich gewesen.

Die Behauptung, es seien keine Vorwürfe erhoben worden, widerspricht seinem eigenen Kommentar, der am 5. Dezember veröffentlicht wurde. Im Interview mit „Detektor Media“ erklärte Mas lediglich, dass die Server im Rahmen eines Ermittlungsexperiments beschlagnahmt worden seien. Die Frage der Kommerzialisierung war schon früher aufgeworfen worden. Der früheste Hinweis darauf ist ein Leserkommentar unter einem Dezemberbeitrag über die Gutschrift von „Energie“, die sich in elektronisches Geld umwandeln ließ. Dies ist die Meinung eines anonymen Autors, kein festgestellter Fakt.

Was der Gründer sagt

Das Interview erschien auf Ukrainisch. Mas beharrte auf seiner Kernaussage: Das Projekt sei nie als Einnahmequelle gedacht gewesen.

„Infostore war überhaupt ein gemeinnütziges Projekt“

Hilfe, so Mas, hätten viele angeboten, darunter die Kommunistische Partei der Ukraine. Er zeigte sich zuversichtlich für die Zukunft der Ressource:

„Ich denke, wir werden die Ressource wiederherstellen. Es gibt sogar Zuversicht“

Die Anklage in dem Fall vertrat Michail Andrijenko, Leiter der Abteilung des Innenministeriums für die Bekämpfung des Menschenhandels. In den Dezemberveröffentlichungen zu dem Fall äußerten sich Iwan Petuchow, Vorstandsmitglied der Internet-Assoziation der Ukraine, Michail Gontscharuk, Eigentümer der Publikation „Dominion“, und Jekaterina Lewtschenko, Beraterin des Innenministers. Als Investor von Infostore wurde Alexander Olschanski, Vorstandsmitglied der InAU, genannt.

Parallele Projekte

In denselben Monaten arbeitete Mas an anderen Projekten. Im März 2008 erzählte er in einem Interview über das Ukrainische Bannernetz, das 36 Millionen Einblendungen pro Tag zeigte. Ein weiteres seiner Unterfangen war Mail.ua, dessen Architekt er war. Am 22. August 2008 wurde der Mail-Dienst im geschlossenen Test gestartet, und die Gruppe „Internet Invest“, die mehr als 1 Mio. $ in das Projekt investierte, wurde ihr Hauptinvestor.

Mas selbst begann seinen Weg im Internet mit dem UBN. Zusammen mit Ruslan Dmitrakowitsch startete er das Netz im Januar 1999: Nach seinen Erinnerungen kostete die Programmierung in Perl drei Wochen Arbeit und etwa 100 $. Ein Jahr später, am 7. März 2000, wurde er Direktor des „Ukrainischen Portals“ (UAPortal).

Am 1. April 2009 fand in Kyjiw das erste Ukrainische Forum der Internet-Akteure statt, das spätere iForum, das zum zehnjährigen Bestehen des UBN 1280 Teilnehmer versammelte. Im Jahr 2010 stellte sich Mas in einem Interview als Schöpfer von Infostore vor, betrachtete die Ressource also weiterhin als sein Projekt – trotz der Durchsuchung und der Beschlagnahme der Server im Dezember 2008.

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Carlos Benítez

Autor

Politischer Korrespondent

Foto: Maralles